Rettung für den Karpatenenzian

04.10.2016

Wiederansiedelung des Karpatenenzians auf Flächen am Geisingberg

Aussaat von Samen des Karpaten-Enzians am Geisingberg
Aussaat von Samen des Karpaten-Enzians am Geisingberg

Ex situ- und In situ-Management des in Sachsen vom Aussterben bedrohten Enzians Gentianella lutescens im Rahmen der Richtlinie „Natürliches Erbe“

Der Karpaten-Enzian (Gentianella lutescens) besitzt nur noch ein Vorkommen in Deutschland am Geisingberg bei Altenberg. Die Art ist damit in Deutschland vom Aussterben bedroht und wird auf der „Liste von Arten, Lebensraumtypen und Biotoptypen zur Einstufung der Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz im Freistaat Sachsen im Rahmen der Richtlinie Natürliches Erbe (RL NE/2014)“ geführt.

Trotz intensiver Schutzbemühungen und einem speziellen Management unterlag die Population im NSG Geisingberg starken Bestandsschwankungen. Nach einem Tiefstand Anfang der 1990er Jahre erhöhten sich die Bestandszahlen in den Folgejahren, um dann bis 2003 wieder stark abzunehmen. Seit 2005 scheint die zweijährige Art in einem zweijährigen Zyklus extrem zu schwanken.

Um die Population Gentianella lutescens nachhaltig zu stützen und zu sichern, wurden bereits in den Jahren 2010/2011 sowie 2012-2015 das Projekt „Ex situ- und In situ-Management des in Sachsen vom Aussterben bedrohten Enzians Gentianella lutescens“ im Rahmen der Richtlinie „Natürliches Erbe“ erfolgreich durchgeführt.

In beiden Projektphasen bestand im Botanischen Garten Schellerhau eine Ex situ-Kultur. Die Ex situ-Kultur in Marburg wurde 2011 beendet und im Garten Naundorf eine zweite Ex situ-Kultur aufgebaut und erfolgreich geführt. Einerseits sollte damit das Risiko von krankheitsbedingten Ausfällen in der Kultur gemindert werden, andererseits dienten beide Kulturen vorrangig zur Gewinnung von Saatgut für die In situ- Ausbringungsmaßnahmen zwecks Populationsstützung und Wiederansiedlung auf ehemaligen Standorten sowie zur Sicherung des Genpotentials.

In jedem Fall mussten die Flächen durch Zäunung geschützt werden. Durch Bodenverwundungen wurden günstige Keimungs- und Etablierungsbedingungen geschaffen.
Regelmäßig wurden bei den in situ und ex situ gekeimten Pflanzen die Fitnessparameter der Pflanzen gemessen, bei den zweijährigen dann auch Stängel- und Blütenzahl.

Da aber während beider Projektzeiträume Fragen in der Populationsdynamik von Gentianella lutescens nicht endgültig geklärt werden konnten, wurde für die Jahre 2015-2017 erneut ein Antrag zwecks nachhaltiger Stützung und Sicherung des in Sachsen vom Aussterben bedrohten Karpaten-Enzians (Gentianella lutescens) gestellt und bewilligt.

In dem Vorhaben „Ex situ- und In situ-Management des in Sachsen vom Aussterben bedrohten Enzians Gentianella lutescens gemäß der Förderrichtlinie Natürliches Erbe – RL NE/2014 des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft vom Februar 2015 wird, auf den gewonnenen Erfahrungen der vergangenen Jahre aufbauend, die Population am Geisingberg weiterhin gestützt und gesichert.Des Weiteren werden die in vorangegangenen Projektphasen begründeten In situ-Flächen weiter betreut. Neue In situ-Flächen werden auf bekannten, ehemaligen Vorkommensflächen der Art begründet.

Durch hohen Pflegeaufwand konnten im Projektzeitraum 2012-15 die Bestandsgrößen für die in situ Kulturen und den Altbestand am Geisingberg gesichert und bis zu über 1000 blühende Individuen gezählt werden. Die seit 2005 im zweijährigen Zyklus sehr stark schwankenden Individuenzahlen (Brunzel & Sommer, Zwischenbericht 2014) erschweren jedoch eine Bilanz zum Status der Bestände und sollen deshalb im Hinblick auf Individuenzahlen und Fitnessparameter weiter beobachtet werden.

Ziel auf den In situ-Flächen ist die Schaffung von Populationen mit ca. 100 blühenden Exemplaren. Es wird vermutet, dass ab dieser Größe eine Population stabil ist und als gesichert gelten kann.

In den Ex situ-Kulturen im Garten Naundorf und im Botanischen Garten Schellerhau können noch offene Fragen in der Keimungsbiologie und bei den hortikulturellen Haltungsbedingungen untersucht werden. Oberstes Ziel ist aber die Samenproduktion, damit ausreichend Korn für die In situ-Flächen zur Verfügung gestellt werden kann.

Der Botanische Garten Schellerhau unterhält ebenfalls seit 2013 eine Ex situ-Kultur des Sächsichen Enzians Gentianella germanica ssp. saxonica, gefördert durch die RL Natürliches Erbe NE/2007 und aktuell innerhalb der derzeit laufenden Förderperiode durch die Richtlinie Natürliches Erbe NE/2014 des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft vom Februar 2015.


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