„Kiwi Berry“ das Bio-Obst für Garten und Erwerbsobstanbau

11.08.2016

Eine neue Obstart liegt im Trend

Der Züchter Werner Merkel

Es sind Beeren in der Fruchtgröße und in Erziehung und Schnitt mit dem Wein (Vitis) vergleichbar. Das Wurzelsystem gleicht aber mehr der Himbeere (Rubus) und verlang dieselben Standortbedingungen. Dort wo Himbeeren erfolgreich kultiviert werden, bringt auch diese neue Beerenart hohe Erträge.
18 – 25 Kilo pro Pflanze, nach dem Aufbau des Rankensystems, schafft jede Fruchtsorte nach der Jugendphase.
Hier im Vorerzgebirge stehen alte Sorten, die diesen Ertrag ohne Alternanz garantieren.

Die beerenartigen, teils traubenartig wachsenden Früchte werden immer wieder in Bezug auf die Fruchtgröße an den Kiwis aus dem Fruchthandel (Act. deliciosa/chinensis) gemessen. Das ist unsachlich, die Kiwibeeren  Actinidia arguta und ihre Hybriden sind zwar mit den Act. deliciosa/chinensis verwandt, aber nicht gleichzusetzen. Innerhalb der Art und deren Hybriden der „Kiwi Berrys“, wie wir diese jetzt begrifflich zur „Kiwi“ unterscheiden, gibt es natürlich erhebliche Unterschiede in der Fruchtgröße von 6 -20 g, je nach Sorte.

Wenn aber doch die „Kiwi“ aus dem Fruchthandel als Basis der Beurteilung gelten soll, dann sprechen wir von der Kleinen mit dem viel größeren Geschmack! Alle Sorten reifen vor dem Frosteintritt aus und nutzen bis zum Erntetag das Sonnenlicht zur Entwicklung als Aromabeere.

Das Interesse an diesen beerenartig wachsenden Früchten als neue Obstsorte wächst weltweit für den Frischverzehr und für die Fruchtverarbeitung. Nach der Sortenauswahl und der Zuordnung der geeigneten männlichen Bestäuberpflanzen, sollte der Bedarf an Pflanzen von spezialisierten Fachbetrieben abgedeckt werden, die den Kunden auch eine exakte Etikettierung und fachliche Beratung garantieren.

Um den steigenden Anforderungen an guten Sorten gerecht zu werden, sind in den letzten Jahren neue Fruchttypen aus deutscher und polnischer Zucht eingeführt worden.

Allein von Werner Merkel aus Chemnitz stammen neun Sorten, die in der Landesanstalt für Weinbau in Veithöchstheim bei Würzburg auf Leistungsfähigkeit über Jahre geprüft und gemeinsam mit den Fachbetrieben für die Vermehrung selektiert worden sind. Diese Sorten werden als „Kiwi Berry“ bezeichnet, um den etwas abwertenden Namen „Mini-Kiwi“ abzulösen, aber auch den Unterschied zur Handelsfrucht „Kiwi“ deutlich zu machen. „Kiwi Berrys“ haben eine glatte, dünne Schale und so können die Früchte als Ganzes, also mit Schale, gegessen werden.
Ein weiterer deutlicher Unterschied zur Kiwi ist die Winterhärte der beerenartigen Kiwi-Arten aus den Wäldern Sibiriens und Nordchinas. Die Pflanzen der neuen Sorten „Kiwi Berry“ überstehen selbst Temperaturen von -30 Grad.

Selbstfruchtbarkeit
Sie existiert bedingt bei den Artenhybriden „Jassei“, „Issai“ und  „Julia“, ist aber unter dem Aspekt der Leistung einer Sorte unakzeptabel. Krüppelfrüchte, Fruchtfall oder Ertragsausfall sind immer die Folge eines zu geringen Pollenangebotes. Kein Obstbaubetrieb der Welt produziert Actinidienfrüchte ohne männliche Pollenspender. Der Mythos „Selbstfruchtbarkeit“ ist aber in Deutschland leider ein Verkaufsargument im Handel!
Eine männliche Pflanze wird immer benötigt und diese bestäubt bis zu acht weibliche Pflanzen.

Gesundheitswert – Inhaltsstoffe
Der Gesundheitswert der Früchte ist beachtlich. Studien ergaben, dass die Actinidien-Früchte eine positive Heilwirkung bei Tumoren, Entzündungen, Allergien und Diabetes zeigen. Allein der Vitamin-C-Gehalt übertrifft unser Obstsortiment des Handels.
Es ist auch bekannt, dass bei einem hohen Gehalt an Vitamin C in der Frucht weitere Vitalstoffe vermehrt vorkommen. So wird deutlich, dass die Kiwibeeren einen hohen Gesundheitswert haben. Schon drei Früchte decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C. Die gute ausgeglichene Bilanz des Zucker-/Säureverhältnisses in Verbindung mit weiteren Aromastoffen ist bei den meisten Sorten eben „der große Geschmack bei diesen kleinen Früchten“.

Sortiment Vitamin C in mg/100g

Aprikose 2
Birne  4
Apfel  7
Pflaume  5-10
Himbeere 17
Heidelbeere  25
Stachelbeere 28
Zitrone 73-82
Apfelsine 76-108
Actinidia deliciosa bis 140
Actinidia arguta 30-160
Actinidia kolomikta 1300-1700

(nach Griasew)

Natürlich Bio-Obst
Kiwibeeren liegen im Trend der Verbraucher. Mit steigendem Bewusstsein für eine gesunde Ernährungsweise hat eine verstärkte Nachfrage nach biologisch produziertem Obst eingesetzt. Naturbelassen und regional produziert, die Früchte ohne chemische Hilfsmittel zum Verkauf gebracht, dies hat zweifellos Vorteile gegenüber der konventionellen Obstproduktion, welche sich auf die „chemische Keule“ stützt.

Ertragsbeginn
Alle Kiwiarten tragen durchschnittlich im 4. Standjahr nach der Pflanzung. Schon ab dem 2. Standjahr ist ein Ertrag bei der Sorte „Jassai“ möglich.

Neue weibliche Sorten vom Chemnitzer Züchter Werner Merkel:

„Super Jumbo“
großfrüchtige Kiwi Berry Sorte mit tollem und aromatischen Geschmack; Ertrag: sehr hoch, sehr sicher und über die Jahre gleichmäßig; Frucht: große und längliche Frucht bis 11 Gramm, mittelgrün und sehr attraktiv
„Fresh Jumbo“ ertragreiche Kiwi Berry Sorte mit mittelgroßen, optisch sehr ansprechenden und geschmackvollen Früchten. Erfrischender Geschmack mit gut ausbalanciertem Zucker-Säure-Verhältnis. Die frischgrünen Früchte hängen traubenartig beieinander und haben ein Einzelfruchtgewicht von 7 – 8 Gramm.
„Red Jumbo“        
Rotfrüchtige Kiwi Berry Sorte mit sehr frühem Ertrag und tollem, gut ausbalanciertem Geschmack.
Ertrag: sehr hoch, sehr sicher und über die Jahre gleichmäßig. Frucht mittelgroß bis 7 Gramm, länglich, rotfleischig. Erfrischender Geschmack mit gut ausbalanciertem Zucker-Säure-Verhältnis.
 „Cinderella“  Der Massenträger unter den Kiwi Berry Sorten. Sicher tragende Sorte mit mittelgroßen und ovalen Früchten, die traubenartig beieinander hängen. Beeren gelbgrün, teilweise unterschiedlich groß mit ausgewogenen, frischem Geschmack. Einzelfruchtgewicht 5 – 7 Gramm.
„Jassai“     Eine interessante, sehr winterharte Hybride und damit eine Verbesserung der Sorte „Issai“. Schön geformte längliche Frucht von ca. 8 Gramm mit gutem Geschmack.  Die Sorte blüht meistens schon als kleine Pflanze im Topf. Das kompakte und gedrungene Wuchsverhalten ist für Kleingärten von Vorteil.

Neue männliche Sorten vom Chemnitzer Züchter Werner Merkel:

„Blütenwolke“ reichblühend, als weiße Wolke wahrnehmbar mit besonders starken Pollenangebot. Bestäubt bis zu acht weibliche Pflanzen.
„Honigmann“ besticht durch deutlich wahrnehmbaren Honigduft während der Blüte und lockt damit die Bestäuberinsekten aus größerer Umgebung auf die Pflanzen.

Alle Kiwisorten werden beim Kräuterfest am 28. August 2016 im Botanischen Garten in Schellerhau verkauft.                                  

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