Erfolgreicher Schutz von Karpaten-Enzian und Sächsischem Fransen-Enzian

26.10.2017

Ergebnisse der ex und in situ- Maßnahmen zur Rettung des Genpotentials beider Kleinenziane in der Fördermittelperiode 2015-2017 (RL NE/2014)

Blühender Karpaten-Enzian

Der Förderverein für die Natur des Osterzgebirges e.V. hat auch in der auslaufenden Fördermittelperiode folgende Projekte erfolgreich durchgeführt:
"Ex-Situ- und in-Situ-Management des in Sachsen vom Aussterben bedrohten Enzians Gentianella lutescens im Rahmen der Richtlinie „Natürliches Erbe“, Projektlaufzeit 01.09.2015 – 30.09.2017" sowie
"Ex situ-Management des in Sachsen vom Aussterben bedrohten Enzian Gentianella germanica subsp. saxonica im Rahmen der Richtlinie "Natürliches Erbe", Projektlaufzeit 01.07.2015-30.09.2017 im Botanischen Garten Schellerhau".

Der Karpaten-Enzian Gentianella lutescens
Seit 2010 werden ex und in situ-Maßnahmen für den allein in Deutschland am Geisingberg vorkommenden Karpaten-Enzian durchgeführt. Das Ziel aller Maßnahmen ist die langfristige Erhaltung der Art und eine Stützung, Stabilisierung und Erweiterung der Population. Insgesamt wurden in den in situ-Flächen dieses Jahr 939 blühende Individuen gezählt, wobei mehr als die Hälfte davon in den beiden Flächen am Galgenteich standen. Auch die Diasporenernte war mit über 19000 Diasporen aus den in situ-Flächen sehr ertragreich.

In den ex situ-Kulturen war der Erfolg bei Keimung und den Zweijährigen in diesem Jahr sehr unterschiedlich. Während die Keimung im Botanischen Garten Schellerhau sehr spät begann und mit insgesamt nur 45 Keimlingen eher enttäuschend ausfiel, wurden im Garten Naundorf 438 Keimlinge gezählt, wobei die Menge ausgesäter Diasporen auch wesentlich größer war. Auffällig war, dass in beiden Kulturen der größte Teil der Keimlinge noch aus der Aussaat 2015 (bzw. teils sogar 2014) stammte und die Keimung der Aussaat 2016 extrem gering war. Möglicherweise werden noch einige Keimlinge durch die Herbstkeimung dazukommen. Auch in den in situ-Flächen war die Anzahl von insgesamt 341 Einjährigen eher gering.
Die Anzahl der zweijährigen Individuen war in Schellerhau mit 419 blühenden Exemplaren sehr hoch, in Naundorf dagegen deutlich weniger.

Die Population am Naturstandort NSG Geisingberg unterliegt nach wie vor starken Bestandsschwankungen, jedoch zeigen die intensiven Schutzbemühungen erste Erfolge. Die extremen Unterschiede zwischen den geraden und ungeraden Jahren sind noch vorhanden, aber die Bestandszahlen haben sich insgesamt deutlich erholt. Diesen Sommer blieb die Entwicklung allerdings so weit hinter den Erwartungen zurück, dass eine Prognose für die nächsten Jahre rein spekulativ ist. Es bleibt zu hoffen, dass sich der bisher positive Trend trotz weiterer Schwankungen fortsetzen wird.
Seit dieser Projektphase werden auch Diasporen eingelagert, um deren langfristige Vitalität zu evaluieren. Ein Teil dieser eingelagerten Diasporen soll nun erstmalig nach 2 Jahren Lagerung an der HTW Dresden mittels TTC-Test auf Vitalität untersucht werden. Dazu werden frische Diasporen zum Vergleich mit untersucht.

Der Sächsische Fransen-Enzian Gentianella germanica subsp. saxonica
Der Sächsische Fransen-Enzian besitzt gegenwärtig weltweit nur noch ein Vorkommen im Vogtland bei Adorf (Sachsen). Alle Bemühungen, die 1990 in der ehemaligen "Schutzzone" etwa 900 Meter von der Landesgrenze zu Bayern mit 115 blühenden Exemplaren entdeckte Population zu schützen, waren bisher aus verschiedenen Gründen nicht erfolgreich.
Vor diesem Hintergrund erschien der Aufbau einer ex situ-Kultur zwingend geboten. Da der Botanische Garten Schellerhau bereits Erfahrungen bei der ex situ-Kultur des Karpaten-Enzians gesammelt hatte, wurden Diasporen für die Erhaltungskultur nach Schellerhau gegeben.

Die klimatischen Bedingungen in Schellerhau differieren mit denen im Vogtland, wo es um ca. 2,5 Grad Celsius wärmer und niederschlagsärmer ist. Das wirkt sich auf die Keimungsbiologie und die gesamte Kulturhaltung aus. Da aufgrund der langen Winter im Osterzgebirge die Keimung im April/Mai durchaus ausfallen kann bzw. die Keimung erst im Juni erfolgt, entwickeln sich die Individuen langsam. Die zweijährigen Individuen kommen hier auch erst im August/September zur Blüte. Die Samenreife dauert dann bis in den November.

2017 blühten 262 Individuen, wobei 62 aus der Aussaat 2014 stammen. Die Dormanz (Samenruhe) der Diasporen wird auch künftig gezielt getestet werden. Dazu wurden z. B. 2015 eingelagerte Samen erst 2017 ausgesät. Die Einlagerung von Samen gewährleistet die Sicherung des Genpotenstials. 
Die in der ex situ-Kultur geernteten Diasporen werden im Vogtland für das in situ-Management und den künftigen Aufbau einer ex situ-Kultur im Vogtland übergeben. Die Aussaat erfolgt auf den Flächen im "Grünen Band" bei Heinersgrün, Blosenberg, Sachsgrün und Ebmath (Vogtland). 

Da seit 2013 im Vogtland keine Pflanzen mehr kartiert wurden, erfolgt die Sicherung des Genpotentials dieser höchst seltenen und schützenswerten Art derzeit allein im Botanischen Garten Schellerhau.

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